Was Online-Nachhilfe machen muss, um erfolgreich zu sein

Schlagwörter: , , , Aktuelles, Innovative Ideen, Neue Möglichkeiten 23 Dezember, 2009

Dies ist ein Beitrag von mir im Rahmen der Aktion “Mehr Bildung in Blogs” von Literatenmelu.

(C) Fotolia.com, Jacek ChabraszewskiLiteratenmelu hat mich eingeladen, bei ihrer Aktion “Mehr Bildung in Blogs” teilzunehmen. Sie selbst bloggt aktiv sehr viel rund um das Thema Bildung, denkt aber, dass der Austausch über Bildung durch die Möglichkeiten des Internets noch intensiviert werden muss. Und – was soll ich noch dazu sagen: Ich stimme ihr vollkommen zu! :-)

5 Jahre sind eine lange Zeit …

Da ich mich in diesem Blog natürlich primär mit dem privaten Nachhilfe- und Fördermarkt beschäftige, möchte ich auf den Themenbereich der Online-Nachhilfe stärker eingehen. In meiner aktuellen Umfrage glauben 75% der Teilnehmer nicht, dass Online-Nachhilfe in den nächsten 5 Jahren die Präsenznachhilfe ersetzen wird. Vielleicht ist der Zeitraum auch zu knapp gewählt, aber dennoch rechne ich in den nächsten 5 Jahren mit einem dramatischen Anstieg bei der Online-Nachhilfe, wenn falls einige der aktuellen Anbieter ihre Hausaufgaben machen.

Denken Sie einmal darüber nach, wie das Internet 2004 noch aussah: keine sozialen Netzwerke, kein Twitter, kein Youtube (!!!). Und nun überlegen Sie, welche Entwicklungen das Internet bis 2014 nehmen wird – im Grunde genommen können wir uns darüber gar keine Vorstellungen machen. Umso wahrscheinlicher erscheint es also, dass in 5 Jahren Online-Nachhilfe mindestens einen genauso hohen Anteil haben wird wie reguläre Präsenznachhilfe.

Wann Online-Nachhilfe erfolgreich wird

Online-Nachhilfe kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie …

  • … interaktiv ist und eine Lehrkraft zur Verfügung steht. (Das ist einer der Gründe, warum sich scoyo insbesondere bei Eltern schwertat. Die anderen Gründe lesen Sie hier …)
  • … günstiger ist als Präsenzunterricht und die Kinder bei freier Zeiteinteilung unterrichtet werden können.
  • … ein günstig zubuchbares Angebot für regulären Unterricht darstellt.

Rein zu reproduzierende Inhalte werden keinen Erfolg haben und sich auch nicht “Nachhilfe” schimpfen dürfen. Dafür werden Eltern leider kein Geld ausgeben und die Entwicklungskosten stehen in keinem Verhältnis zum Ertrag. Reproduzierende Online-Inhalte (wie z.B. bei scoyo) wären nur sinnvoll als Ergänzung zu einem darauf abgestimmten Nachhilfeangebot, bei dem ein Nachhilfe-Lehrer seinen Schülern einzelne Aspekte zur Nacharbeit für zuhause aufgibt. Dafür muss aber eine Plattform entstehen, bei der Nachhilfelehrer ein gewisses Mitspracherecht und Kontrolle erhalten, um Inhalte abzulegen bzw. nutzen zu dürfen. So eine Plattform gibt es momentan noch nicht. (Wer meldet sich freiwillig? :-) )

Das Marketing-Problem

Das Problem, mit dem Online-Nachhilfe kämpft, ist nicht die Technik. Die Technik ist vorhanden und die Plattformen (neben scoyo sei hier auch bettermarks genannt) sind didaktisch sehr gut konzipiert. Das Problem ist das Marketing. Online-Nachhilfe wird nur dann erfolgreich sein, wenn das Marketing funktioniert und Eltern ein gewisses Vertrauen zur vorhandenen Technik aufgebaut haben. Daher kann man auch keine Kinder mit Online-Nachhilfe ködern (Welches Kind möchte schon 100% freiwillig zur Nachhilfe?), sondern muss immer auf die Zielgruppe Eltern setzen und die Vorteile herausstellen (günstiger, freie Zeiteinteilung, interaktiv …). Wenn man es dann noch schafft, einen Grad der Interaktivität und individuellen Förderung mit richtigen Lehrkräften aufzubauen, wie ihn Video-Conferencing-Programme heutzutage bei Online-Seminaren für Erwachsene schon schaffen, und diese kindgerecht zu gestalten, hat man fast schon gewonnen.

Ach, nein … falsch. Man braucht noch eine kleine Zutat: Geduld. Erinnern Sie sich zurück an die 5 Jahre – es werden immer neue Möglichkeiten auftauchen, mit denen Online-Nachhilfe besser und effektiver werden wird. Die Frage ist nur: Welche Plattform schafft es, die Anforderungen zu erfüllen, um im privaten Nachhilfemarkt ein für Eltern transparentes und für Kinder ansprechendes und inhaltlich-anspruchsvolles Angebot zu schaffen?

Diese Qualitätskriterien werden entscheiden, ob Online-Nachhilfe die herkömmliche Nachhilfe ersetzen wird oder nur “schmuckes Beiwerk” bleibt, von dem jeder mal gehört hat, das aber kaum jemand nutzt.

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8 Kommentare zum Thema “Was Online-Nachhilfe machen muss, um erfolgreich zu sein”

  1. bibliothek sagt:

    ich wünsche ein schönes weihnachtsfest und ein gutes neues jahr.

  2. lektion8.de sagt:

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Online-Nachhilfe ist dann erfolgreich, wenn die Chemie zwischen Nachhilfelehrer und Schüler stimmt und das didaktische Konzept passt. Insofern besteht kein Unterschied zur klassischen Nachhilfe. Setzen Nachhilfe-Anbieter jedoch nur auf Technik und Interaktion mit Lernplattformen werden aufgeschlossene Eltern von neuen Formen der Nachhilfe schnell absehen.

  3. David Gerlach sagt:

    Hallo lektion8,
    ja, da stimme ich Ihnen ebenfalls vollkommen zu. Oft wird lediglich Wert auf die Technik gelegt, das Lehrer-Schüler-Verhältnis aber oft vernachlässigt. Dabei ist dieses gerade bei Online-Nachhilfe NOCH wichtiger, da ja die tatsächliche Nähe fehlt (und die oft auch trotz Webcam etc.) nicht gänzlich aufgehoben werden kann.

  4. Auswertung von “Mehr Bildung in Blogs” - Literatenmelu sagt:

    [...] Blogs aufmerksam geworden bin. Ebenfalls positiv überrascht bin ich über das Engagement einiger Blogger, die statt der Beantwortung der Fragen ihre eigenen Gedanken zur Thematik Bildung verfasst [...]

  5. Christian Stapfer sagt:

    Hallo Herr Gerlach,
    Ihre Bemerkung zur “fehlenden Nähe” bei der Online-Nachhilfe erinnerte mich an eine Stelle in Henry David Thoreaus “Walden”. Thoreau schreibt: “I have found that no exertion of the legs[!] can bring two minds much nearer to one another”. Damit will ich sagen: Die “Distanz”, die wir bei der Online-Nachhilfe überwinden müssen, ist nicht so sehr eine räumliche sondern vielmehr eine geistige Distanz, eine Distanz im Denken (über das vorliegende Problem, die zur Diskussion stehende Theorie).
    Die Nähe der direkten Begegnung kann auch als trügerisches Deckbild für fehlende Nähe im Denken dienen. Ich ziehe es deshalb vor, den Schüler in der für ihn in Prüfungssituationen oft genug traumatischen Situation zu begleiten: der Situation, mit dem Aufgabentext alleine zu sein, vor einem weissen Blatt zu sitzen und nicht weiter zu wissen. An diesem “emotionalen Tiefpunkt” beginnt unser (therapeutisches) Online-Nachhilfegespräch. Ein Gespräch, das der Schüler später (in der Prüfung wieder auf sich alleine gestellt) weiterführen muss – und, wie sich zeigt, in der Regel auch bald einmal weiterführen kann (als eine Art “Selbstgespräch”).
    Für diesen Zweck scheint mir eine Audioverbindung, OHNE Webcam, und ein Whiteboard, das nicht viel mehr ist als ein flexibel zu handhabendes Notizblatt (also ausdrücklich KEIN klotziger virtueller “Schulungsraum”), bestens geeignet.
    Apropos “klotzige Schulungsräume”: Ich empfinde deshalb die erwähnten Videoconferencing Programme, die bei Online-Seminaren für Erwachsene verwendet werden, keineswegs als wünschenswerte Lernumgebung bei der Online-Nachhilfe.

  6. David Gerlach sagt:

    Hallo Herr Stapfer,
    vielen Dank erneut für Ihre Sichtweise. Ohne Zweifel haben Sie bereits eine Menge Erfahrung als Nachhilfelehrer online. Die Situation Ihres Schülers, die Sie schildern, kann ich definitiv nachvollziehen – ein sehr guter Ansatz, um auch aus Schülern, die dann offensichtlich auch Prüfungsängste haben, mehr Mut herauszuholen.
    Ihrem Punkt, dass die Distanz sich eher im Denken abspielt, stimme ich ohne weiteres zu. Das Problem sehe ich hier auch nicht auf der Lehrerseite, sondern vielmehr auf der Eltern-Seite (bzw. der allgemeinen Öffentlichkeit), daher fordere ich auch eine viel höhere Transparenz, die die Anbieter von Online-Nachhilfe leisten müssen (Beispielvideos, kostenlose Inhalte, kostenlose Probestunden etc.), damit diese Schwelle, die Eltern immer noch haben, überwunden wird und dem neuen Medium und den Leistungen, die es bringen kann, eine Chance gegeben wird.
    Schülerinnen und Schüler sind dem Internet natürlich sehr aufgeschlossen – viele der Eltern gehören allerdings noch zu einer Generation, die weiterhin ihre Berührungsängste mit dem Internet hat und ihre Kinder (in gewisser Hinsicht natürlich verständlicherweise) davor beschützen will.
    Aber dieses Umdenken wird kommen – es bedarf lediglich eines gewissen Durchhaltevermögens der Online-Nachhilfeanbieter, wie ich bereits schilderte. :-)
    Beste Grüße
    David Gerlach

  7. Jürgen Schmidt sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit Interesse habe ich Ihre Bemerkungen gelesen.
    Als Lernstudio mit langjähriger Erfahrung im Bereich schulischer Förderung (Hochbegabung, AD(H)S, Legasthenie und Dyskalkulie) haben wir eine interaktive Plattform entwickelt, die Online-Nachhilfe nicht nur sofort möglich macht, sondern den ganzen Ablauf auch noch aufzeichnet (LernSafe). Dies dient der Nachhaltigkeit und der Selbstständigkeit der Schüler. Kostenfreie Wiederholungen der Lerneinheiten dienen auch der Sicherheit und bieten ein Höchstmaß an Transparenz. Wir werden sehen, ob dieses Angebot angenommen werden wird. Unter http://fit-for-school.de können Sie sich gerne einen ersten Eindruck verschaffen. Mit freundlichen Grüße, FIT FOR SCHOOL ONLINE

  8. Vorstellung: FitForSchool – Online-Nachhilfe mit Speicherfunktion | nachhilfeanbieter.de/blog sagt:

    [...] einen Kommentar zu einem anderen Beitrag bin ich auf FitForSchool gestoßen. Jürgen Schmidt und sein Team bieten sowohl klassischen [...]


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