Warum Bertelsmann Scoyo loswerden will

Schlagwörter:, , , Aktuelles, Pause, bitte! 04 November, 2009

Scoyo-Logo, Quelle: Pressebereich ScoyoWie in den Nachrichten der letzten 48 Stunden zu lesen ist, will der Bertelsmann-Konzern nach einer geschätzten Investition von 20 Mio. Euro (ich schätze deutlich mehr) seine Nachhilfeplattform Scoyo verkaufen bzw. einen anderen Investor finden. Scoyo, eine interaktive Lernplattform, die sich durch gute, spielerische und interaktive Aufmachung direkt an Kinder wendet, sollte zumindest einen Teil des auf dem Nachhilfemarkt (d.h. bei Eltern) verfügbaren Geldes abgreifen.

Nun scheint es, dass man bei Bertelsmann befürchtet, doch einen falschen Weg gegangen zu sein und man nun die Notbremse zieht, bevor sich Scoyo zu einer unendlichen Geschichte entwickelt. Dabei liegen die Gründe dafür, warum Scoyo vermutlich noch nicht wirtschaftlich arbeitet, auf der Hand:

  1. Das Marketing wurde über Medienkampagnen begonnen, die als Zielgruppe Kinder haben. Kinder haben allerdings immer noch oft die Mentalität, dass sie nicht freiwillig lernen. Das bedeutet: Die Zielgruppe der Eltern hätte viel stärker anvisiert werden sollen. Eltern entscheiden, wo ihre Kinder sich im Internet tummeln. Und alle Warnungen der Eltern (“Klick nicht darauf, das könnte Geld kosten”) setzt die Hemmschwelle vieler Kinder immens hoch.
  2. Eine moderne Marketingstrategie über Twitter hatte Scoyo bereits genutzt (immerhin über 2.000 Follower), dort allerdings auch keine Kooperation mit Blogs, Elternseiten, Elternzeitschriften o.ä. anvisiert oder zum Austausch angeregt. Und außerdem:
  3. Es fehlt Zeit. Zeit. Und nochmal Zeit. Bertelsmann gibt Scoyo durch den Ausstieg und den Druck, der nun auf der Seite lastet, keine Möglichkeit eine klare Linie zu verfolgen und sich am Markt zu etablieren. Online-Nachhilfe und Lernplattformen sind für Eltern und Kinder vollkommen neu und mit ebenso hohen Berührungsängsten verbunden. Vermutlich sieht die Vorstandsetage nur die enormen Entwicklungskosten und scheut daher dem Projekt noch ein, zwei Jahre zu geben, um tatsächlich eine gute Basis und Richtung zu finden.

Ich würde mir für die Kollegen bei Scoyo wünschen, dass ein Investor gefunden wird, der die Zeit und Muße mitbringt, die das Projekt braucht, um eine klare Linie finden zu können. Sofern diese dann erfolgreich ist (wovon ich ausgehe, wenn vernünftig gewirtschaftet und ein klares Marketing gefahren wird), wird Scoyo einen guten Grundstein auch für eine weitere Entwicklung des Online-Lernens mit anderen Plattformen legen. Allerdings muss dafür natürlich erst einmal der hohe Anspruch des schnellen Geldes abgebaut werden …

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