Neues Geschäftsfeld für Nachhilfe und Lerntraining …
Schlagwörter:e-learning, elearning, internet, online, online-nachhilfe Innovative Ideen, Neue Möglichkeiten 24 Juni, 2009Man muss keine Kristallkugel befragen, um zu entdecken, dass auch der Nachhilfemarkt sich in naher Zukunft zunehmend über das Internet abspielen wird – Online-Nachhilfe ist das Stichwort unter dem in letzter Zeit immer mehr Anbieter auf den Markt preschen. Chat-Nachhilfe.de, Eprendo und Multiconcept Online sind nur drei der vielen, teilweise auch regional agierenden Anbieter.
Könnte das auch für Ihr Angebot als Nachhilfelehrer oder Lerntrainer ein Geschäftsfeld sein? Ich möchte bald mehr dazu schreiben oder per Videocast erläutern. Vielleicht haben Sie selbst auch bereits Erfahrungen mit solchen Systemen gemacht und möchten hier von Ihren Erfahrungen berichten?
Eine Wirksamkeitsstudie zu Online-Nachhilfe von Dr. Martin van Kessel (Uni Erlangen-Nürnberg) gibt es bereits – und zwar mit überraschenden Ergebnissen. Sie können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.
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8 Kommentare zum Thema “Neues Geschäftsfeld für Nachhilfe und Lerntraining …”
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15 Juli 2009 um 20:24 Uhr
Zwar zweifle ich an der Wirksamkeit von Online-Nachhilfe nicht, jedoch habe ich Grund anzunehmen, dass die Studie von Dr. van Kessel aus Kosten- und/oder Aufwandgründen über mittel- und längerfristige Effekte *keinerlei* Aussage machen kann.
Ich habe seine (natürlich aus meiner Sicht sehr willkommene) Studie bisher leider nicht einsehen können, ich bin von Dr. van Kessel aber vor Beginn der Studie (als potentieller Teilnehmer) kontaktiert worden. Damals sagte mir Dr. van Kessel, dass der Effekt jedes Nachhilfelehrers aufgrund von lediglich drei[!] Stunden Zusammenarbeit beurteilt werden müsse. Nun: nach nur drei Stunden sind gewisse Veränderungen beim Schüler einfach *nicht* möglich – es sei denn, der Nachhilfelehrer wäre zufällig auch noch “Magnetopath”, “Handaufleger” oder eine andere Form von Wundertäter…
Kommt hinzu, dass die bei dieser Studie eingesetzten Nachhilfelehrer vermutlich Anfänger (in *online* Nachhilfe) waren. – Gibt es überhaupt erfahrene Online-Nachhilfelehrer? – Vermutlich schon (ich selbst gebe z.B. seit Herbst 2002 kostenlose Online-Nachhilfe: aber ich bin blosser Amateur), aber es können nicht allzu viele sein.
Des Weiteren ist die Wirksamkeit von Online-Nachhilfe möglicherweise stärker von den Eigenschaften der verwendeten Werkzeuge abhängig, als man bei direkter Nachhilfe anzunehmen gewohnt ist. Die Werkzeugfrage ist aber leider von der Studie von Dr. van Kessel nicht wirklich (vergleichend) abgeklärt worden. Das von Dr. van Kessel verwendete Adobe Connect ist so teuer, dass es, falls überhaupt, nur von sehr grossen Nachhilfeinstituten eingesetzt werden könnte. (Ich selbst fühlte mich sogar gezwungen, nicht nur einen Tablet-PC zu beschaffen, sondern auch gleich mein eigenes Whiteboard zu programmieren.)
16 Juli 2009 um 08:21 Uhr
Hallo Herr Stapfer,
danke für Ihre Aufklärung hinsichtlich des Untersuchungsdesigns der Studie. In der Tat müsste man hier nochmal eine längerfristige Studie abwarten, die tatsächlich auch die Erfolge über einen langen Zeitraum misst und diese dann mit einer entsprechenden Referenzgruppe im Präsenz-Nachhilfeunterricht vergleicht. Wer momentan noch ein Diplom- oder Promotionsthema sucht, möge das doch bitte aufgreifen. ;-)
Herr Stapfer, Ihr Angbebot habe ich mir angeschaut und möchte hier an dieser Stelle Ihr selbst programmiertes (kostenlos downloadbares) Whiteboard deswegen auch nicht vergessen, kurz vorzustellen: http://homepage.swissonline.ch/mathcoach/Frame/Deutsch/NetDeskSharp.html
Vielleicht möchten andere Kollegen auch den Weg der Online-Nachhilfe beschreiten oder zumindest antesten… :-)
Herzliche Grüße
David Gerlach
18 Oktober 2009 um 21:23 Uhr
Guten Tag,
nachdem ich erst letzte Woche meine Aschlussprüfungen zum “Beratungslehrer” an der ALP Dillingen hinter mich gebracht habe, wollte ich mir endlich kurz die Zeit nehmen, eine Stellungsnahme zu den Kommentaren zu schreiben.
In meiner Untersuchung “Offshore Tutoring: Merkmale und Anforderungen an eine neue Nachhilfeform” ging es vornehmlich darum Stärken und Schwächen von Online Nachhilfe mittels Konferenzsystemen herauszuarbeiten. Die Untersuchung wurde im Rahmen einer Masterarbeit angefertigt (“Educational Media” an der Universität Duisburg-Essen).
Herr Stapfer hat natürlich Recht, dass die Wahl des Konferenzsystems den äußeren Handlungsrahmen bildet, d.h. welche kommunikationstechnischen Möglichkeiten damit einhergehen und wie die Lerninhalte medientechnisch aufbereitet werden können. Hier habe ich mich an die gängigen Lösungen bekannter Offshore-Institute orientiert; konkret, welche Werkzeugen, mit welchen Funktionalitäten in ihren Konferenzsystemen implementiert sind.
Adobe Connect ist in diesem Sinne ein mächtiges Werkzeug mit dem man sehr vieles Umsetzen kann. Das Einblenden eines Gitternetzes für Mathematik (bspw. Für Funktionen) fehlen halt, so auch ein Formeleditor, um mathematische Symbole flott und sauber darstellen zu können. Ansonsten taugt es durchaus, wenn der Server stabil läuft…
Andere Werkzeuge, die ebenso taugen würden, sind dimdim, dabbleboard, skribl, openmeetings und für Schulen recht interssant: das LMS Fronter, bei dem das Conference-Tool „Illuminate“ integriert ist, da das Unternehmen Schullizenzen in eine angenehme Preislage anbietet: ca. 2€ pro Schüler im Jahr.
Eine Auflistung der medientechnischen Werkzeuge gängiger Offshore Unternehmen wurde in einer Seminararbeit von McDonald (2007, S.6) zusammengestellt: http://next.eller.arizona.edu/courses/outsourcing/student_papers3.aspx
Desweiteren bin ich davon ausgegangen, dass sich ein Online-Nachhilfelehrer in einer “Zwitterrolle” befindet: Einerseits als Nachhilfelehrer – Hier kommen dann die Determinanten zutragen, die für erfolgreiche Nachhilfe sprechen (Time on Task, Individuelle Bezugsnormierung, Umgang mit Vorwissen, Selbstkontrolliertes Lernen und die Vermittlung von Lernstrategien). In der Rolle eines Teletutors u./o. Moderators (inzwischen ein eigenständiger Berufszweig, siehe http://www.online-tutoring-jounal.de ) wurde aus der Dissertation von Jürgen Keller (2009) “Live E-Learning im Virtuellen Klassenzimmer” Determinanten herausgearbeitet (Kommunikative Anforderungen, technische Anforderungen und Methodisch-Didaktische Anforderungen), die das Grundgerüst bilden, um die Nachhilfedeterminanten überhaupt angemessen umsetzen zu können.
Aus diesen Überlegungen heraus konnte das Design der Untersuchung entworfen werden, wobei es nicht darum ging Veränderungen bei Schülern festzuhalten – sondern erstmalig Online-Nachhilfe von Präsenznachhilfe vergleichend gegenüberzustellen. Vergleichend heißt hier NICHT was ist besser, sondern was ist ANDERS, welche Besonderheiten treten auf, worauf sollte bei Online Nachhilfe geachtet werden.
Ein weiterer Schritt ergab sich dadurch, dass sämtliche aufgezeichneten Nachhilfestunden (insgesamt 40 Stunden) nach einem Verlaufsprotokoll reanalysiert wurden; Besonderheiten wurden dokumentiert und mit einem Screenshot versehen. Dadurch konnte ich auf gut 30 Seiten einen Kriterienkatalog zusammenstellen, der für die Ausbildung von künftigen Online-Nachhilfetutoren eine solide Grundlage bieten kann.
Weiterhin habe ich auf Schülerbene noch einen kompletten Datensatz von 12 Schülern mit jeweils 80 Frage-Items, um festzuhalten, wie die Schüler ihre Online-Nachhilfe erfahren und subjektive wahrgenommen haben. Disen Datensatz habe ich in die Untersuchung (außer den Akzeptanzfragen von Online-Nachhilfe) nicht untergebracht, da es den Rahmen einer Masterarbeit gesprengt hätte.
So gesehen, können die Zweifel von Herrn Stapfer außer Kraft gesetzt werden. Nachdem sich unser Kontakt verlaufen hatte, habe ich weiter an das Forschungsdesign gearbeitet und die Fragestellungen abgeändert, um ein in sich schlüssiges und solides Forschungsprojekt angehen zu können.
Ich widerspreche Herrn Stapfer deshalb auch nicht, keine Veränderungen bei Schülern festgestellt zu haben. Das war – wie bereits erwähnt – ja auch nicht das Anliegen meiner Studie.
Und ja, das Projekt war in der Tat extrem aufwendig und kostenintensiv. Aus eigener Kraft – ohne einen Lehrstuhl im Hintergrund – werde ich ein ähnliches Unterfangen nicht wiederholen wollen…Der Aufwand hat sich dennoch gelohnt: Note 1,0.
Eine Studie, welche die Effizienz von Online-Nachhilfe bescheinigt, gibt es übrigens schon länger, mit einer beachtlichen Stichprobe von 300.000 Probanden:
http://www.reuters.com/article/pressRelease/idUS210936+22-Apr-2008+BW20080422
Ich hoffe hiermit einige Dinge aufgeklärt / gerade gerückt zu haben. Wer noch Fragen hat, kann sich gerne an mich wenden: http://www.online-tutoring.net
herzliche Grüße!
Martin van Kessel
21 Oktober 2009 um 13:16 Uhr
Lieber Herr van Kessel,
vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Da uns Ihr Thema natürlich in Zukunft auch weiterhin noch beschäftigen wird, werde ich in einem separaten Artikel hier im Blog noch einmal darauf zurückkommen und Sie gerne zur einem Interview und einer Stellungnahme einladen, wenn Sie möchten und bereit dafür sind!
Herzliche Grüße
David Gerlach
24 Oktober 2009 um 07:48 Uhr
Aufgrund der klärenden Erläuterung von Dr. van Kessel, was die genauen Ziele seiner Arbeit über “Offshore-Tutoring” gewesen seien, habe ich unseren Mailverkehr von anfangs 2008 nochmals überflogen, in der Hoffnung besser zu verstehen, weshalb ich seine Zielsetzung so “offensichtlich” falsch interpretiert haben könnte:
In seiner ersten Mail an mich, datiert 28.1.2008, schrieb Dr. van Kessel, dass ihn folgende Fragen besonders interessierten: “Wie gehen Online-Nachhilfelehrer methodisch vor, was unterscheidet sich von der Präsenznachhilfe? Welche pädagogisch/psychologischen Determinanten zur Leistungsverbesserung setzen sie an?”
Offensichtlich scheint mir, auch nach den klärenden Erläuterungen von Dr. van Kessel, dass etwaige Unterschiede zwischen Online- und Präsenznachhilfe durch die technischen Rahmenbedingungen der Online-Zusammenarbeit bedingt sind – bedingt sein müssen. Aus diesem Grunde war und bleibt für mich die Frage nach den technischen Rahmenbedingungen (Hardware, Software) von zentraler Bedeutung.
Was die Verwendung von Adobe Connect betrifft: Dr. van Kessel ermöglichte mir freundlicherweise einige kurze Tests mit Adobe Connect durchzuführen. Leider musste ich feststellen, dass ich mit Adobe Connect die qualitativ weit bessere Eingabe von handschriftlichen Notizen eines Tablett-PCs nicht nutzen konnte: denn Adobe Connect reduziert, wie übrigens auch alle anderen mir bekannten server-basierten Whiteboards, den “Pen Input” des Tablett-PCs auf eine blosse Mausspur (was leider eine Reduktion der Auflösung auf die weit geringere Auflösung des Bildschirms und ein völliges Wegfallen der Information über den Anpressdruck des Schreibstifts bewirkt; schlimmer noch: die Umwandlung von Pen Input in eine blosse Mausspur scheint zusätzlichen Rechenaufwand zu verursachen, was zu sehr störendem Ruckeln der handschriftlichen Eingabe führte). Es war leider auch nicht möglich, mittels der Anwendungsfreigabe von Adobe Connect einen Schüler auf mein (mit dem Pen-Input des Tablett-PCs kompatibles) selbstgestricktes Whiteboard schreiben zu lassen. Auch war es unmöglich, einzelne Rasterbilder in das Whiteboard von Adobe Connect einzufügen (Notizen meiner Online-Nachhilfebesprechungen enthalten nicht selten sehr viele, lose mit handschriftlichen Notizen vermischte Rasterbilder). Eine Online-Nachhilfe mit Adobe Connect durchzuführen hätte für mich (und den Schüler) somit bedeutet, auf einen vergleichsweise primitiveren Stand zurückgeworfen zu werden. Und bedenken sie: aufgrund meiner bisherigen Erfahrung mit Online-Zusammenarbeit gibt es wenig, was ich so sehr fürchte, wie schwerfällige Werkzeuge, die den natürlichen Fluss des Gesprächs auf unnötige Weise behindern…
Ich habe aber wegen dieser Probleme meine Bereitschaft für eine Zusammenarbeit als “Versuchsobjekt” nicht etwa zurückgezogen – auch nicht, wegen meiner schon damals geäusserten Bedenken bezüglich der geringen Stundenzahl (=Wirkungsdauer meiner Nachhilfebemühungen). Ich selbst hatte an eine Dauer von mindestens einem halben bis einem ganzen Jahr gedacht: denn wie sonst könnte das, was ich im Laufe einer Online-Zusammenarbeit mache, auf faire Weise beurteilt werden?
Rückblickend denke ich, dass es kein Verlust – vielleicht sogar ein Vorteil – für Dr. van Kessel war, dass ich von seiner Studie nicht erfasst wurde: denn ich wäre vermutlich im Rahmen seiner statistischen Auswertung ohnehin nur der berüchtigte “Ausreisser” gewesen, den man besser gleich ganz aus seiner Stichprobe ausschliesst…
26 Oktober 2009 um 22:53 Uhr
Sehr geehrter Herr Gerlach,
ja – auf ein Interview lasse ich mich gerne ein. Wenn Sie mir eine Mail schicken, können wir das im Einzelnen abklären.
Ab morgen beginne ich mit der Ausbildung von sechs Tutoren an unserer Schule, und möchte dabei die Tools DIMDIM, Dabbleboard und Openmeetings einsetzen.
Die Schüler aus den Mittleren Reifeklassen können dabei leistungsschwächeren aus den Regelklassen unserer Hauptschule unterstützen. Ich bin natürlich selber sehr gespannt, ob unsere Schüler dieses annehmen, und welche “Erfolge” sie verbuchen können. Ich werde mir auch die Feedbacks der Teilnehmer einholen und dokumentieren.
So gesehen, fände ich ein Interview zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoll. Denn dann gibt´s möglicherweise neue Anhaltspunkte zum Thema, wie Online-Nachhilfe, als Mentoren-System umgesetzt, akzeptiert und durchgeführt wird.
Auch die neuen Anmerkungen von Herrn Stapfer widerspreche ich nicht grundsätzlich. Wie bereits gehabt: die technische Rahmenumgebung ist sehr wohl mitentscheidend, wie online-Nachhilfe gestaltet wird, welche Möglichkeiten dadurch der Tutor hat / welche “teletutoriellen” Kompetenzen er benötigt, um souverän die Lerninhalte verständlich an den Schüler zu bringen.
Adobe Connect ist deshalb für Online-Nachhilfe sicherlich nicht das geeignetste Werkzeug. Bereits die Preisvorstellungen des Unternehmens schrecken eher von einer Nutzung ab.
Da es mir jedoch von der Uni zur Verfügung gestellt wurde, und die gängigen technischen die Kriterien erfüllte, die indische amerikanische Unternehmen bieten, taugte es für meine Zwecke. Und die Ergebnisse der Studie zeigen doch recht eindeutig, wo die Stärken für Online-Nachhilfe zu sehen sind:
Time on Task und berücksichtigen der individuellen Bezugsnorm. Das war fast durchgängig bei allen Probanden zu verbuchen.
Wenn sich jemand dadurch angeregt fühlt, weiterführende Untersuchungen durchzuführen, um dies genauer aufzuschlüsseln (z.B. mit Parallelsamples, die mit unterschiedlichen Werkzeugen arbeiten), würde mich das freuen.
Mit einem Tablett-PC zu arbeiten zu können ist dann natürlich auch eine feine Sache, doch leider haben (noch!) die wenigsten Schüler und Tutoren ein solches Gerät.
Da Sie, Herr Stapfer, als erfahrener Online-Nachhilfelehrer, mit den anderen Teilnehmern nicht direkt vergleichbar gewesen wären, hätte ich es tunlichst vermieden, Sie in diesem Datenpool unterzumischen. Als “Fallstudie” betrachtet, hätte das eher eine bereichernde Ergänzung sein können.
Ihre Erfahrung und Ihr Können als Online-Nachhilfelehrer habe ich ja nicht in Frage gestellt – das würde mir auch nicht zustehen.
28 Oktober 2009 um 17:42 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. van Kessel,
Sie schreiben: “Ihre Erfahrung und Ihr Können als Online-Nachhilfelehrer habe ich ja nicht in Frage gestellt – das würde mir auch nicht zustehen.”
Auf Ihrer Website http://online-tutoring.net lese ich jedoch, im Widerspruch dazu: “Ein Großteil bezahlter Nachhilfe wird immer noch von Laien ausgeübt, die weder eine pädagogische Ausbildung haben, noch über fachdidaktische Kenntnisse ihrer Nachhilfefächer verfügen. Um hier Abhilfe zu schaffen, arbeiten wir an einem Kurskonzept …”
Schon in meiner ersten Antwort auf Ihre Anfrage, wegen meiner möglichen Mitarbeit als “Forschungsobjekt” in Ihrer Studie, hatte ich geantwortet: “Ich fühle mich, was das Erteilen von Nachhilfeunterricht betrifft, leider als blosser Amateur: habe zwar Mathematik studiert, verfüge aber nicht über eine eigentliche Lehramtsausbildung.”
Auch wenn ich meine Unterstützung kostenlos anbiete, bedeutet dies jedoch nicht, dass ich meinen Nachhilfeschülern eine wesentlich schlechtere Unterstützung anbieten möchte, als kommerzielle Nachhilfeinstitute.
Also trifft Ihre pauschale Abwertung aller, die zwar (wie ich) über eine ausreichende formale Ausbildung in ihrem Nachhilfefach, nicht aber über einen formalen Abschluss in Pädagogik und Fachdidaktik verfügen, auch mich.
Natürlich habe ich nicht vor, ein solchermassen abwertendes Pauschalurteil ohne genauere Begründung zu akzeptieren.
Sie können zum Beispiel in Ihrer eigenen Dissertation zur Optimierung von Nachhilfeunterricht nachlesen, dass zumindest nicht ganz auszuschliessen ist, dass ein Gymnasiast als Nachhilfelehrer deutlich bessere Ergebnisse erzielt als ein ausgebildeter Lehrer.
Dass eine Lehrerausbildung keine notwendige Voraussetzung für guten und wirksamen Nachhilfeunterricht ist, scheint unter Eingeweihten sogar als eine Art Treppenwitz zu zirkulieren. So antwortete Prof. Ludwig Haag einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk auf die Frage, ob “richtige Lehrer” die “besten Nachhilfelehrer” seien, mit dem Ausruf: “Überhaupt ned!” – Das sollte doch zu denken geben…
Wie relevant ist also eine formale Ausbildung in Pädagogik und Fachdidaktik für den Erfolg von Nachhilfeunterricht wirklich? – Diese Frage bleibt, sofern man sich lediglich auf Ihre Dissertation und/oder Ihre Studie über Offline-Tutoring stützt, völlig offen…
29 Oktober 2009 um 23:32 Uhr
Sehr geehrter Herr Stapfer,
Sie haben völlig Recht, dass die Formulierung auf meiner Website missverstanden werden kann. Das ist mir als solches nicht in den Sinn gekommen und sollte auch möglichst bald geändert werden!
Menschen, die ihre Nachhilfetätigkeit – ob kommerziell oder nicht – ernst nehmen, und Ihrer Verantwortlichkeit gegenüber Schülern bewusst sind, möchte ich keines Falls angreifen oder gar degradieren!! Vielen Dank für diesen Hinweis! Entschuldigen Sie bitte, dass das bei Ihnen falsch angekommen ist!
Mit Herrn Prof. Haag stehe ich in engen und sehr guten Kontakt. Erst vor drei Wochen haben wir uns ausführlich über das von Ihnen angesprochene Thema unterhalten. Aus dem derzeitigen Forschungsstand (“mein” Gymnasiast aus der Diss. gab lediglich nur – als Einzelfall – einen Hinweis darauf), wissen wir, dass weder Schüler, Lehrer noch Studenten die besseren oder schlechteren Nachhilfelehrer sind. Dies konnte in der folgenden Untersuchung an einer Realschule gut belegt werden:
Hopperdietzel, H., Haag, L., Egner, M. & Koller, J. (2007). Mentoren-Projekt in Kooperation mit der Realschule Wunsiedel. Bayerische Realschule, 53, (Heft 3), 25-27.
Wir (Prof. Haag und ich) gehen deshalb davon aus, dass die Bildungssituation Schule, nicht mit der Bildungssituation Nachhilfe ohne weiteres vergleichbar ist.
Oder anders ausgedrückt: Die Professionalität die eine Lehrkraft während des Lehramtstudiums, später während des Referendariats erwirbt und im Laufe seiner Lehrtätigkeit ausbaut, ist für den schulartspezifischen Schulalltag/Unterricht tauglich, nicht aber notwendigerweise eins zu eins auf das System Nachhilfe im allgemeinen übertragbar.
Umso wichtiger finde ich es pädagogisch / didaktische Anforderungen – ganz gezielt auf das Umfeld Nachhilfe herauszuarbeiten. Bzgl. der Umsetzung in Form einer Schulungsmaßnahme oder Zertifizierung – je nachdem, wie man das Kind nennen möchte – werde ich mich erst konkret und im Detail äußern, wenn es soweit ist.
herzliche Grüße,
Martin van Kessel